Schnulli oder Daumen?

Diese Frage stellt sich früh nach der Geburt des Kindes. Der Saugreflex ist angeboren und lebenswichtig für den Säugling. Durch Berührung der Lippen, der Zunge oder des Gaumens wird der Saugreflex ausgelöst.

Durch Stillen an der Brust wird das Saugbedürfnis ausreichend befriedigt. Die Nahrungsaufnahme ist absolut kindgerecht und dauert ausreichend lange um das Kind zufriedenzustellen. Wird das Baby mit Flaschennahrung ernährt, sollten Sie darauf achten, dass die Flaschensauger natürlich geformt sind und die Lochgröße stimmt. Vergrößern Sie niemals mit einer Nadel das Saugerloch. Das führt dazu, dass die Babys zu schnell die Flasche leersaugen können und satt sind, das Saugbedürfnis jedoch nicht ausreichend befriedigt wird. Durch langsames kräftiges Saugen beim Trinken entsteht das Bedürfnis zum Daumenlutschen oft erst gar nicht. Die normale Stillzeit von etwa 20 min. gilt auch bei der Flaschenernährung.

Geben Sie Ihrem Kind soviel Liebe und Zuwendung wie sie können. Ein Säugling schreit nicht weil er trotzig ist oder die Eltern nerven will. Ein schreiender Säugling drückt aus, dass etwas nicht stimmt: entweder Hunger oder Bauchweh oder ähnliches. Deshalb das Kind in den ersten Monaten nicht schreien lassen sondern behutsam und zärtlich versuchen, die Ursache zu finden und mit körperlicher Zuneigung dem Kind beistehen.

Oftmals geben verzweifelte oder genervte Eltern dem Kind den Schnuller - oft hilft er und das Schreien oder Quengeln hört auf, das Kind kann lutschen und wird somit beruhigt. Je öfter man einem Baby den Schnuller anbietet, desto eher gewöhnt man es daran, dass Lutschen befriedigt auch in Situationen die unangenehm sind. Junge Eltern sind oft gestresst und zunächst überfordert und froh, wenn der Schnulli das Kind beruhigt. Manchmal wäre jedoch anstelle des Schnullis ein beruhigendes Liedchen oder Sprechen oder in dem Arm wiegen genauso beruhigend für das Kind.

Schon ab der 6. bis 12. Lebenswoche bewegt ein Baby selbständig und gezielt seine Arme. So kann es sich das Lutschen an Daumen oder Fingern selbst angewöhnen. Gibt man seinem Kind keinen Schnulli, so kann es durchaus sein, dass es von selbst mit dem Daumenlutschen anfängt und somit in Stress-Situationen oder vor dem Einschlafen sich selbst beruhigen kann. Niemand wird Ihnen sagen können, ob ihr Baby mit dem Daumenlutschen beginnt wenn es keinen Schnulli erhält. Allerdings lässt sich das Daumenlutschen viel schwerer abgewöhnen als ein Beruhigungssauger.

Einzig vorbeugend ist eine kindgerechte langsame Ernährung und Zuwendung in Situationen in denen das Kind weint.

Welche Folgen hat das Lutschen   >>>

Folgen des Lutschens

offener Biss

Bis etwa zum dritten Lebensjahr können sich Fehlentwicklungen die durch Lutschen entstanden sind wieder zurückentwickeln. Lutschen darüber hinaus führt zu Fehlstellungen die unter Umständen nur durch größere Behandlungen mit kieferorthopädischen Geräten und logopädischer Unterstützung behandelt werden müssen.

Die Auswahl des richtigen Flaschensaugers oder Schnullers ist ebenfalls wichtig. Eine der Brustwarze nachempfundene Form der Sauger bewirkt, dass das Kind richtig saugen und schlucken muss - und sich dabei anstrengen muss. Saugt das Kind nicht, fällt der Sauger heraus und bleibt nicht einfach im Mund liegen. Dadurch wird der Kiefer in die richtige Stellung beim Saugen bewegt.

Für eine richtige Entwicklung der Kiefer und Zähne ist auch die Schlaflage nicht unbedeutend. Säuglinge sollten in Seitenlage oder Rückenlage schlafen. Auf eine Erhöhung des Kopfes durch ein Kissen ist unbedingt zu verzichten. Durch die richtige Schlaflage und Kopfhaltung fördert man die Nasenatmung (vermeidet ein Schlafen mit Mundatmung), fördert die Vorentwicklung des Unterkiefers und eine richtige Zungenlage.

Der natürliche Lutsch- und Saugtrieb des Säuglings lässt langsam mit dem Erscheinen der Zähne nach. Der Saugreflex wird durch den Kaureflex mit der Zeit abgelöst. Mit etwa einem Jahr sollte das Kind vollkommen an feste Nahrung und an das Trinken aus einer Tasse gewöhnt sein. Überlassen Sie dem Kind keine Nuckelflaschen aus Plastik zur "Selbstbedienung". Dadurch wird unnötig der Lutschtrieb gefördert. Trinken sollte Ihr Kleinkind aus diesen Gründen nur unter Ihrer Aufsicht.

Es geht auch ohne -

aber ohne Ihre Hilfe geht es nicht  >>>

 

Lutschen Nein Danke, aber wie?

Zusammenfassung

Wichtig ist, nicht bei jeder Gelegenheit dem Kind zur Beruhigung den Schnulli in den Mund zu "stopfen". Meist ist mit einer liebevolle Umarmungen einem quengelnden Kind mehr geholfen als mit dem Schnulli, dies erfordert allerdings von den Eltern mehr Kraft als die Gabe eines Schnullis. 
Sollte Ihr Kind seinen Schnulli lieben ist dagegen auch nichts einzuwenden, solange dieser nicht den ganzen Tag im Mund ist. 
Ständiges Saugen bewirkt eine Kieferfehlentwicklung und eine Fehlstellung der Zähne. Oberkiefer- und Unterkiefer entwickeln vorne eine Lücke, genau dort wo der Schnulli sich befindet. Die Zähne klaffen vorne auseinander. Auch der Daumen oder Handballen der von manchen Kindern so geliebt wird, führt zu Fehlentwicklungen. 
Bis zum dritten Lebensjahr können sich solche Fehlstellungen wieder zurückentwickeln, danach wird es problematisch. Die Sprachentwicklung, das Abbeißen und der Durchbruch der bleibenden Zähne leiden sehr unter solchen Fehlentwicklungen. Im Ernstfalle gibt es für Kinder vom dritten Lebensjahr aufwärts sogenannte Mundvorhofplatten, mit denen man dann so langsam den Schnuller ersetzen kann. Oft sind die Kinder schon sehr verständig und verschenken manchmal ihren Schnulli freiwillig an den Weihnachtsmann (Tauschgeschäft!) oder den Osterhasen. 
Meine Erfahrung zeigt, dass viele Dreijährige sehr verständig ihren Schnuller, der ja nur für Babys ohne Zähne ist, doch abgeben wenn man ihnen genau erklärt, wieso dieser nicht mehr so gut für ihre Zähne ist. Wie bei allen Problemen, Durchhaltevermögen, viel Liebe und ein nie reißender Geduldsfaden helfen am besten.

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Diese Seite wurde erstellt von Dr. Elke Seitz und Uli Kloppmann.

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